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Lektion 8 · Flugleistung & Flugplanung

Kraftstoffplanung

Die Part-NCO-Kraftstoffblöcke, die Endreserve-Regel und eine verlässliche Kraftstoffplanung — EASA-PPL-Theorie (Deutschland & Österreich)

~20 Min. SEP · VFR EASA Part-FCL

1 — Kraftstoff ist Zeit, und Kraftstoff ist Masse

Kraftstoffmangel zählt zu den am besten vermeidbaren Unfallursachen — er ist ein Rechenproblem, kein Pech. Zwei Gedanken aus früheren Lektionen treffen hier zusammen: Kraftstoff ist Zeit (Liter ÷ Kraftstoffdurchfluss = Stunden, aus Lektion 4) und Kraftstoff ist Masse (Liter × Dichte = kg, wie in Lektion 6 beladen).

Ausfliegbar vs. nicht ausfliegbar
Für die Planung zählt nur der ausfliegbare Kraftstoff. Ein bis zwei Liter sind im System gefangen und nicht ausfliegbar — plane nie, sie zu verbrennen, und plane nie, in deine Endreserve hineinzufliegen.

2 — Was sind die Part-NCO-Kraftstoffblöcke?

Part-NCO baut deine Gesamtmenge — den Blockkraftstoff — aus benannten Teilen auf. Alles außer dem Extrakraftstoff ist die gesetzliche Mindestmenge zum Abflug.

Der Kraftstoff an Bord — Block für Block
Endreserve 15 L Ausweichkraftstoff 12 L Zusatzkraftstoff 4 L Streckenkraftstoff 45 L Rollkraftstoff 3 L Extrakraftstoff 9 L Endreserve — darf nicht eingeplant werden Mindestmenge zum Abflug Blockkraftstoff (gesamt): 88 L
  • Rollkraftstoff — zum Anlassen, Rollen und für den Standlauf vor dem Start.
  • Streckenkraftstoff — Steigflug, Reiseflug und Sinkflug bis zum Ziel.
  • Zusatzkraftstoff — eine Reserve für das Unerwartete (Wind, Streckenführung); üblich sind etwa 5 % des Streckenkraftstoffs.
  • Ausweichkraftstoff — Streckenkraftstoff weiter zu einem Ausweichflugplatz, wenn einer geplant ist.
  • Endreserve — der geschützte Block, den du bei der Landung noch haben musst (nächster Abschnitt).
  • Extrakraftstoff — Kraftstoff nach Ermessen des verantwortlichen Piloten, zusätzlich obendrauf.

3 — Was besagt die Endreserve-Regel?

Die Endreserve ist die Linie, die du nie einzuplanen versuchst. Nach EASA Part-NCO (NCO.OP.125) hängt sie vom Flug ab — am wenigsten für einen lokalen Flug in Sicht des Platzes, am meisten bei Nacht oder IFR:

Endreserve — der Kraftstoff, den du nicht einplanen darfst
VFR am Tag, lokal 10 Min. gleicher Flugplatz, in Sicht
VFR am Tag, Überland 30 Min. 1 500 ft über dem Zielflugplatz
VFR bei Nacht 45 Min. 1 500 ft über dem Zielflugplatz
IFR 45 Min. 1 500 ft über dem Zielflugplatz

AMC1 NCO.OP.125(b). Die 10-Minuten-Regel gilt nur für lokale VFR-Tagflüge — Start und Landung am selben Flugplatz, in dessen Sicht. Ein normaler Überlandflug braucht 30 Minuten am Tag, 45 bei Nacht oder IFR (mit Wartegeschwindigkeit, 1 500 ft über dem Zielflugplatz).

Plane, mit unberührter Endreserve zu landen
Die Endreserve ist ein Planungsminimum, kein „Restkraftstoff“. Würdest du mit weniger als der Endreserve landen, ist die Planung unzulässig — und wenn du im Flug erwartest, darunter zu landen, ist das ein Grund auszuweichen und kann einen MAYDAY-FUEL-Ruf rechtfertigen (Lektion 13).

4 — Plane deinen Kraftstoff

Jeder Block stammt aus derselben Rechnung: Kraftstoff = Zeit × Kraftstoffdurchfluss. Stell eine Strecke ein und sieh, wie sich die Blöcke summieren — gegen 120 L ausfliegbaren Kraftstoff:

Plane deinen Kraftstoff
PositionLiter
·

Beispielhafte Werte (Rollkraftstoff 3 L, 120 L ausfliegbar). Echte Planung nutzt das POH deines Luftfahrzeugs und die aktuellen Part-NCO-Regeln.

Wenn es nicht passt
Übersteigt der Mindest-Blockkraftstoff den ausfliegbaren Kraftstoff, kannst du die Strecke wie geplant weder legal noch sicher fliegen — verkürze die Strecke, lege einen Tankstopp ein oder reduziere die Zuladung. Du greifst nicht die Reserve an.

5 — Rechenbeispiel & die goldenen Regeln

Strecke 80 Min. bei 30 L/h, 5 % Zusatzkraftstoff, kein Ausweichflugplatz, VFR am Tag, Rollkraftstoff 3 L:

  1. Streckenkraftstoff: 80 ÷ 60 × 30 = 40 L.
  2. Zusatzkraftstoff: 5 % × 40 = 2 L.
  3. Endreserve (Tag): 30 ÷ 60 × 30 = 15 L.
  4. Rollkraftstoff: 3 L. Mindest-Blockkraftstoff = 3 + 40 + 2 + 15 = 60 L (≈ 43 kg — nimm diesen Wert mit in deine Massen- und Schwerpunktrechnung).

Die goldenen Regeln
1. Kraftstoff = Zeit × Kraftstoffdurchfluss. 2. Plane, mit unberührter Endreserve zu landen (lokal VFR Tag 10 Min.; Überland 30 Min. am Tag, 45 Min. bei Nacht oder IFR). 3. Nur ausfliegbarer Kraftstoff zählt. 4. Der geplante Kraftstoff ist Masse — führe ihn in die Massen- und Schwerpunktrechnung zurück.

6 — Kraftstoff nach Phase und das Kraftstoff-Log

Die Strecke als einen einzigen Mittelwert zu behandeln, reicht für eine grobe Zahl, aber das POH gibt tatsächlich für jede Phase einen anderen Kraftstoffdurchfluss — und eine sorgfältige Planung schreibt sie in den Kraftstoffteil des Flugdurchführungsplans, das Kraftstoff-Log:

Kraftstoff-Log — der Kraftstoffteil des Flugdurchführungsplans
Phase / BlockGrundlageKraftstoff (L)
Triebwerkstart, Rollen & Run-up fester Zuschlag 3
Steigflug 10 min × 36 L/h 5
Reiseflug 62 min × 30 L/h 31
Sinkflug 11 min × 22 L/h 4
Streckenkraftstoff Steig- + Reise- + Sinkflug 40
Zusatzkraftstoff 5% des Streckenkraftstoffs 2
Endreserve 30 min (VFR bei Tag) 15
Blockkraftstoff Mindestmenge zum Abflug 60

Das POH gibt für jede Phase einen Kraftstoffdurchfluss — der Steigflug verbraucht mehr (höherer Durchfluss), der Sinkflug weniger — daher ist Streckenkraftstoff in Wahrheit Steig- + Reise- + Sinkflug, nicht ein einziger Mittelwert. Start/Rollen/Run-up ist ein fester Zuschlag, den das Triebwerk vor dem Streckenkraftstoff verbrennt. Addiere Zusatzkraftstoff, Ausweichkraftstoff (falls vorhanden) und die Endreserve, um den Blockkraftstoff zu erhalten — die Menge, die du tankst und in Masse und Schwerpunkt einspeist.

Höhe, Leistung und Kraftstoffdurchfluss
Der Kraftstoffdurchfluss folgt der Leistungseinstellung: mehr Leistung verbraucht mehr. Die Reiseflugtabelle gibt den Durchfluss für jedes RPM/Höhen-Paar an — und höher zu steigen und dann das Gemisch zu verarmen senkt den Reiseflug-Durchfluss bei gleicher Geschwindigkeit. Deshalb trennt das POH Steigflug (fett, hoher Durchfluss), Reiseflug (dein Planungsdurchfluss) und Sinkflug (geringe Leistung, geringer Durchfluss). Start, Rollen und Run-up sind ein kleiner fester Zuschlag, der vor dem Streckenkraftstoff verbrannt wird. Die ausfliegbare Tankkapazität und diese phasenweisen Durchflusswerte liest du beide direkt aus dem POH — sie sind die Rohdaten, mit denen jede Kraftstoffrechnung beginnt.

Wann der PIC Extrakraftstoff mitnimmt
Über das gesetzliche Minimum hinaus nimmst du Extrakraftstoff mit, wenn der Flug unsicher ist: grenzwertiges oder wechselhaftes Wetter, eine wahrscheinliche ATC-Verzögerung oder Warteschleife, ein Ziel mit nur einer Piste, die schließen könnte, oder ein unbekannter Platz. Extrakraftstoff ist auch dein Polster gegen eine ungeplante Abweichung — eine Umleitung oder stärkeren Gegenwind als vorhergesagt — zusätzlich zu den 5% Zusatzkraftstoff.

Wissenscheck

Frage 1
Nach EASA Part-NCO beträgt die Endreserve für ein Flugzeug im VFR-Überlandflug am Tag Kraftstoff für:
Frage 2
Du fliegst Platzrunden, startest und landest an deinem Heimatplatz und bleibst in dessen Sicht. Die Mindest-Endreserve ist Kraftstoff für:
Frage 3
Derselbe Flug wird nun VFR bei Nacht geplant. Die Endreserve wird zu:
Frage 4
Der Reiseflug-Kraftstoffdurchfluss beträgt 28 L/h. Eine 90-minütige Teilstrecke braucht Streckenkraftstoff von etwa:
Frage 5
Deine Planung würde dich mit genau 5 L weniger als der Endreserve landen lassen. Du solltest:
Frage 6
Welche Blöcke bilden die gesetzliche Mindestmenge zum Abflug?
Frage 7
Im POH ist der Steigflug-Kraftstoffdurchfluss höher als der Reiseflug-Durchfluss, weil der Steigflug nutzt:
Frage 8
Am vielbeflogenen Ziel mit nur einer Piste ist eine Warteschleife wahrscheinlich. Die richtige Reaktion ist, mitzunehmen:

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